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Das
Alter einer Feuerwehr ist nicht das Verdienst der lebenden Generation. Sie führt
nur das fort, was die Generationen zuvor aufgebaut, erhalten und
weiterentwickelt haben.
Eine lückenlose Chronik
können auch wir nicht vorlegen, aber wir haben in den vergangenen Jahren weite recherchiert, Literatur ausgewertet und auch ein paar alte Fotos ausgegraben. Bisher nicht bekannte Dokumente
sind uns zugänglich geworden und haben zum Teil auch für Überraschung
gesorgt. So konnten die Gründungsunterlagen des Feuerlöschvereins von 1862 und ein Protokollbuch der Domnitzer Wehr im Original ausgewertet
und Informationen aus anderen Quellen zu unseren ehemals drei Ortsfeuerwehren erschlossen werden. All diese Materialien
haben uns geholfen,
unsere Geschichte näher und ausführlicher zu betrachten. Mit der Darstellung einiger
entwicklungs-bestimmender Elemente und Ereignisse
wollen wir Ihnen unsere Feuerwehr vorstellen. Nicht aus Selbstzweck
einer bestimmten Gruppe sondern immer dem Gemeinwohl dienend. Wenn es uns dabei gelingt, nicht nur Ihr Wissen über unsere Gemeinde
ein klein wenig zu bereichern, sondern Sie auch als Freund der Feuerwehr zu gewinnen, dann sind wir wieder
ein Stück vorangekommen.
An
dieser Stelle wollen wir ein paar Worte zum Alter unserer Wehr und der Akzeptanz der durch uns aufgeschriebenen Geschichte verlieren. Wir waren
nicht wenig erstaunt, als wir im Vorfeld der Vorbereitungen unserer Jubiläumsfeier 1997 und auch danach von verschiedenen Seiten argwöhnisch
befragt und teilweise die Geschichte unserer Wehr in Frage gestellt wurde. Es kam uns teilweise vor wie schlichter Neid auf eine Wehr, die bisher nicht
aufgefallen war und deren Gründungsdatum mit einem mal wieder bekannt wurde. Wir nehmen nicht in Anspruch in irgend einem Zusammenhang die ältesten zu
sein oder einen der in der heutigen Zeit so massenhaft auftretenden und in den
Medien so gern publizierten zweifelhaften Rekorde aufzustellen. Wir haben
das in der Vergangenheit nicht getan und wollen auch in Zukunft nach unserer Leistung und nicht durch die Betonung des Gründungsdatums unserer Wehr
beurteilt werden.
Zudem sind wir nicht die allein betroffenen des Jubiläums von 140 Jahren
Feuerwehr: Unsere Nachbarwehren aus Dößel, Golbitz, Lettewitz, Nauendorf, Neutz
und Schlettau gehören mit dazu. Im Originaltext steht es so. Wir halten an dieser Stelle nachdrücklich fest, das für uns das Jubiläum
einer Feuerwehr kein Spaß und bloßer Grund für eine Feier ist. Die Gründung unserer Wehr ist durch Dokumente belegt, deren Originale sich in Verwaltung von Herrn
B. Zarski aus Domnitz befinden, der sie von dem damaligen Gemeindewehrleiter Helmut Winter bei dessen Verzug nach Halle
übernommen hat.
Der Einleitung soll hier zur Genüge getan sein. Ausführliche Darlegungen zu
dieser Problematik kann man in unserer Festschrift zur 140. Jahrfeier nachlesen (zu bestellen bei Kam. Wolski). An dieser Stelle
würde es den Rahmen sprengen und das Interesse am Weiterlesen verderben.
Mit dem Wachsen der Städte, dem Bau der Eisenbahnen
und der Industrialisierung entstanden in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts wie für viele andere Bereiche des Lebens auch neue Bedingungen für
die Entwicklung des Feuerlöschwesens. Nicht nur in den Städten und Fabriken
als den Ballungszentren und zugleich den größten Gefährdungsbereichen mußte
sich die Wirksamkeit der Brandbekämpfung wesentlich verbessern, auch auf den Dörfern
konnte nur ein neues Denken und vorbereitetes gemeinsames Handeln die Gefahren
und Schäden mindern helfen. Die bisher vorhandenen, oder besser gesagt ja
eigentlich nicht vorhandenen Mittel und Geräte reichten nicht aus. Die Dörfer
unserer Gemeinde waren bisher allein von der Landwirtschaft geprägt.
Industriebetriebe gab es keine, lediglich die zur Landwirtschaft und dem dörflichen
Leben gehörenden Handwerker wie Schmied, Tischler, Stellmacher, Schuster
Schneider usw. waren ansässig.
Wir wissen heute nicht warum die Gemeindevorstände
damals den ersten Schritt zur geordneten und, im nachhinein betrachtet, sehr
fortschrittlichen, weil überörtlich organisierten Brandbekämpfung taten. War
es die Idee eines Einzelnen, der durch Stellung und Ausstrahlung seiner Person
die anderen begeistern und mitreißen konnte oder war es vielleicht ein
markantes (Schadens-) Ereignis in der näheren oder ferneren Umgebung, das die
Einsicht zum gemeinsamen Handeln förderte? Vielleicht spielten auch die
aufkommenden Zeitungen mit ihrer relativ schnellen Verbreitung von Nachrichten
eine Rolle. Die "Deutsche Feuerwehr- Zeitung" erschien seit 1860 in
Stuttgart wöchentlich mit dem Untertitel "Technische Blätter für die
deutschen Feuerwehren". Die Initiativen der aufkommenden Versicherungen,
den sogenannten "Feuersozietäten" trugen sicher auch zur Entwicklung
der Feuerwehren bei. In der Provinz Sachsen bestand diese durch Reglement
bereits seit dem Jahr 1721. Literatur zum Thema Feuerwehr in diesen Jahren
erschien in diesen Jahren schon relativ häufig.
Genannt seien hier z.B. die "Feuerlöschregeln für
Jedermann" von Dr. F. G. Kapff aus dem Jahr 1862 oder "Die deutsche
Feuerwehr" von Carl Weise, Chef der Feuerwehr in Mainz aus dem Jahr 1855.
In wie weit die Beispiele der vielen bereits bestehenden
und am stärksten vom süddeutschen Raum ausgehenden Entwicklung der Feuerwehren
eine Rolle spielten oder andere Einflüsse wirkten, wir können es heute nicht
mehr nachvollziehen, Dokumente sind uns dazu nicht erhalten geblieben. Der
Bedarf an einer wirksamen Brandbekämpfung kann jedoch vorausgesetzt werden und
Geräte mit hoher Leistung und geübte Kräfte zu ihrer wirksamen Bedienung und
schneller Verfügbarkeit waren zum Schutz der Gemeinden und ihrer Einwohner
unbedingt erforderlich. Folgerichtig gründeten sich in dieser Zeit in
vielen Städten und Dörfern Feuerwehren, die diese Aufgaben übernahmen. Wir
kennen also die genauen Beweggründe nicht, die unsere Vorgänger veranlasst
haben einen Feuerlöschverein zu gründen und diesen ganz offiziell dem königlichen
Landrat des Saalkreises anzumelden. Aber wir wissen, das es weitblickende Männer
waren, wohl wissend, das die bescheidenen Mittel eines Dorfes bei einem Brand
oder sonstiger Katastrophe bei allem guten Willen und Einsatz schnell erschöpft
sind und nicht ausreichen. Nach den entsprechenden Vorverhandlungen gaben die
Gemeinden ihr Einverständnis oder ihre Absage bekannt und benannten die Wahlmänner
für die konstituierende Versammlung. Nicht alle der an den Verhandlungen
beteiligten Gemeinden entschieden sich für eine Mitgliedschaft im Feuerlöschverein.
Die Gründe dafür sind uns nicht überliefert, vielleicht waren sie wie so oft
finanzieller Art oder man hatte andere eigene Vorstellungen zur Feuerwehr.
Wir stellen hier die Reinschrift der Antworten der
einzelnen an den Verhandlungen beteiligten Gemeinden dar. Wir
haben die Wortstellung und Rechtschreibung soweit als möglich beibehalten, auch
wenn uns heute manche Ausdrucks- oder Schreibweise nicht mehr ganz geläufig
ist.
Dößel, den 4 Januar 1862
Nach den überbrachten Statuten wurde heute die Gemeinde zusammen berufen den
Inhalt vorgelesen, auch nochmals Punkt für Punkt durchgegangen was für ein
Zweck darin enthalten ist, auch wurden bei dieser Gelegenheit drei Wahlmänner
aus ihrer Mitte nach Stimmenmehrheit gewählt.
der Schulze Ulrich
der Anspänner Koch
der Anspänner Körner
Das gegen vorstehende Aufnahme keine Erinnerungen
vorgebracht werden konnte und sofort geschlossen.
Ulrich
Golbitz, 9.Jan. 1862
Bei der heutigen Gemeindeversammlung, die in ortsüblicher
Weise zusammengerufen war wurde, nachdem derselben die beifolgenden Statuten
vorgelesen waren, zur Wahl der drei Wahlmänner geschritten und fiel die Wahl
einstimmig auf:
1tens den Gutsbesitzer Winkler
2tens den Gutsbesitzer Eberius
3tens den Gutsbesitzer Endlich
Die Gewählten nahmen die Wahl an und wurde damit das
Protokoll geschlossen.
Der Schulze Zorn
Dornitz entschied sich nicht für eine Teilnahme und
sagte schriftlich ab:
Dornitz, den 1. Januar 1862
Hochgeehrter Herr Amtmann
Zu meinem größten Bedauern muss ich Ihnen melden, daß
sich die Gemeinde Dornitz an der von Ihnen entworfenen Feuerordnung nicht
beteiligen will, mündlich mehr.
Ich verbleibe mit vieler Hochachtung gegen Ihnen, Ihr
sehr ergebener.
Der Schulze Raap
Lettewitz, d. 30ten Dezember 1861
An den
Amtmann Herrn Gneist
Wohlgeboren
zu Domnitz
Anbei übersende ich Ihnen dies Statut im Betreff der
Feuerwehr und mache Ihnen hierdurch die ergebenste Anzeige, daß dies Statut
hiesigen Gemeindemitgliedern vorgelegt wurde und sie in allen Punkten damit
einverstanden sind. Und wünschen hiesige Gemeindeglieder in den Verein mit
einzutreten. Hierzu werden drei Wahlmänner gewählt und wurden einstimmig
gewählt.
Der Schulze Kunze
Der Gutsbesitzer Rößler
Der Kossath Mennicke
Der Schulze Kunze
An Euer Wohlgeboren Herrn Amtmann Gneist zu Domnitz
Euer Wohlg. berichte ganz ergebenst das die
Feuerwehr-Stattuten der Gemeinde bekannt gemacht und solche genehmigt worden,
und sind Wahlmänner gewählt.
1tens der Gutsbesitzer Bothe 2tens der Schöppe Friedr. Jänicke und 3tens meine
Wenigkeit. Ihre weiteren Maßregeln entgegen sehend zeichnet mit aller
Hochachzung ergebenst
Schlettau den 3ten Jan. 1862
Ihr Schulze Sperling
Seiner Wohlgeboren dem Herrn Amtmann Gneist
zu Domnitz
Euer Wohlgeboren beehre ich mich ganz ergebenst
anzuzeigen das die hiesige in der Gemeinde - Versammlung am 21ten Dezember v.
J. beschlossen hat, zu der, in hiesiger Umgebung zu errichteten Feuerwehr
beizutreten und zur Bildung des Vorstandes, und ferneren Feststellung, die
Gutsbesitzer Herrn Rothe, Planert und Herzog als Wahlmänner gewählt worden
Sind.
Neutz, den 8ten Januar 1862
im Auftrage der Schulze Ullrich
Hohenedlau, das damals noch zum Saalkreis
gehörte, sagte eine Teilnahme ab. Auf eine Nachfrage des Amtmannes Gneist gab
es folgenden Bescheid auf dem gleichen Briefbogen zurück:
Mein lieber Herr Schulze!
Sie haben mir noch keine Nachricht zukommen lassen ob
Ihre Gemeinde geneigt ist dem Verein der Feuerordnung beizutreten und wer die
Wahlmänner und in der Sache nun weiter zu gehen, möchte ich gern bald
von Ihnen Nachricht haben.
Hochachtungsvoll zeichnet
Domnitz den 10ten Jan. 1862
Mein wertester Herr Amtmann
Die Gemeinde will dem Verein
nicht beitreten
Dönitz
Nauendorf lies die Meldung zur Teilnahme
mündlich durch den Schöppen Gräfe überbringen:
Verhandelt Domnitz den 15. Jan. 1862
Es erschien der Schöppe Gräfe aus Nauendorf und
erklärte
daß er von der Gemeinde Nauendorf beauftragt sei die Erklärung abzugeben, wie
dieselbe geneigt sei, den sich bildenden Verein für Aufrechterhaltung der
Ordnung bei vorkommenden Feuer beizutreten und das die Gemeinde als Wahlmänner
1tens den Schulzen Jordan
2tens Gutsbesitzer Franz Kohlhard
3tens den Schöppen Gräfe
gewählt haben.
Gräfe
Eine schriftliche Zustimmung der Gemeinde
Dalena ist in den Unterlagen nicht enthalten, jedoch ist im weitern
Schriftverkehr Dalena immer mit benannt und es sind die Unterschriften der
Wahlmänner vorhanden.
Auch Domnitz formulierte eine schriftliche
Stellungnahme zur Bildung einer Feuerwehr:
Verhandelt Domnitz d. 17. Januar 1862
Infolge Vorladung hatten sich im
hiesigen Gasthof die Gemeindeglieder eingefunden, um zu wählen drei Mitglieder
von Domnitz zur Organisation und Bildung einer Feuerwehr, und wurden von den
anwesenden Gemeindegliedern gewählt.
der Herr Amtmann Gneist
der Gutsbesitzer H. Carl Stoye
der Schumachermeister H. Stoye
Das nun von den anwesenden Gemeindegliedern nichts mehr zu erinnern war, wurde
das Protokoll gesetzlich abgeschlossen.
Werner Schulze
Stoye Schöppe
Die Verhandlungen über die Mitgliedschaft
im Verein, die wahrscheinlichen Diskussionen über das Statut, die Rechte und
Pflichten nahmen sicher einige Zeit in Anspruch und nach Eingang aller Antworten
erfolgte die schriftliche Einladung mit dem Vermerk der Kenntnisnahme durch die
beteiligten Gemeindevorstände:
Nachdem von den unten näher bezeichneten
Gemeinden der Beitritt zum Feuer - Verein mir mitgeteilt ist, ersuche ich die
Herren Schulzen dieser Gemeinden die Herren Wahlmänner aufzufordern, sich
nächsten Sonnabend, den 25.1. den Nachmittag 2 Uhr im hiesigen Gutshof zur
Constituierung des Vereins und zur Vornahme der Wahl des Vorstandes gefälligst
eizufinden.
Domnitz, den 23 Jan. 1862
A. Gneist
Zu präsentieren:
Domnitz:
Golbitz:
Dößel:
Neutz:
Lettewitz:
Nauendorf:
Schlettau:
Dalena: |
Herr Schulze Werner
"
" Zorn
"
" Ulrich
"
" Ulrich
"
" Kunze
"
" Jordan
"
" Sperling
"
" Johannes |
geseh. der Schulze
vid. Ulrich Schulze
vidi Jordan
gesehen Sperling
vidi, Johannes |
wird
fortgesetzt
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